Wie alle Reptilien sind auch Schildkröten ektotherme bzw. poikilotherme (wechselwarme) Tiere. Das bedeutet, dass sie ihre Körpertemperatur ausschließlich durch äußere Einflüsse regulieren können.
In der Natur ist dies das Aufsuchen eines Sonnenplatzes. Europäische Landschildkröten wie die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) haben eine Vorzugstemperatur von etwa
26°C - 35°C. Bei dieser Temperatur laufen alle körperlichen Vorgänge im Optimalbereich. Daher könnte man diese auch Optimaltemperatur nennen.
Die Körpertemperatur der Schildkröte liegt dann bei 28,5°C bis maximal 34°C. Dies ist also die optimale Betriebstemperatur von Schildkröten und die Tiere versuchen, diese so lange wie möglich
aufrechtzuerhalten.
Auf diesem Diagramm erkennt man, dass die Körperkerntemperatur von Schildkröte bzw. Reptilien allgemein von der Umgebungstemperatur abhängig ist. Beim Säugetier hingegen bleibt sie konstant bei um die 37 °C.
Wärmelampen in Freigehegen und UV-Wärmelampen in Terrarien sollten punktuelle Sonnenplatztemperaturen von 38 - 40 °C haben, damit Schildkröten ihre Vorzugstemperatur erreichen können. An dieser Stelle sei erwähnt, dass "punktuell" bedeutet, dass die Schildkröte jederzeit Schatten mit kühleren Temperaturen aufsuchen kann.
Zum Aufwärmen sitzen die Landschildkröten meist im optimalen Winkel in der Morgensonne, die für das Aufwärmen der Tiere wichtiger ist als die Abendsonne. Dabei strecken sie alle Gliedmaßen und den Kopf weit von sich in die Sonne bzw. Wärmelampe.
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Wird die Körpertemperatur von 35°C überschritten, kann eine Schildkröte an Hitzschlag sterben. Daher ist es wichtig, dass Schildkröten immer Schattenplätze haben und in Frühbeeten immer ein automatischer Öffner bzw. Rollenöffner installiert ist. Schildkröten müssen immer die Möglichkeit haben, zwischen kalten und
warmen Bereichen zu wählen.
Hat die Schildkröte ihre optimale Körpertemperatur von 28,5-34°C erreicht, läuft der Stoffwechsel optimal, sie geht auf Futtersuche, kann ihr Futter ideal verdauen und sich ausgezeichnet fortbewegen. Auch die Paarungsaktivität und das Balzverhalten ist bei dieser Temperatur stark ausgeprägt. Ist es dagegen kalt, sind sie nur noch sehr sporadisch aktiv. Unterschreitet die Temperatur ein für Schildkröten gefährliches Niveau, halten sie eine Winterstarre, die bei Griechischen Landschildkröten 4-5 Monate andauert.
Alle Temperaturen, die in die Nähe des roten Bereichs kommen, sind für die Schildkröten auf Dauer bereits lebensgefährlich.
Die Aktivitätstemperatur beginnt ab einer Temperatur von ca. 10°C. Bei der Aktivitätstemperatur, die zwischen ca. 10°und 25°C Grad liegt, können sich die Schildkröten bewegen. Der Stoffwechsel
läuft in diesem Temperaturbereich allerdings nicht optimal. Erst ab der Vorzugstemperatur von 26°C bis 35°C ist dies der Fall.
Das Thermometer zur Messung der Lufttemperatur sollte immer in Bodennähe erfolgen, also dort wo sich die Tiere aufhalten.
Schattenplätze sind für Schildkröten sehr wichtig, damit sie nicht überhitzen. Dessen sind sich die Tiere auch bewusst: Forscher stellten fest, dass sich fast alle Schildkröten in freier Wildbahn nur 2-3 Meter vom nächsten Schatten entfernt aufhielten. Von über 100 Landschildkröten hielt sich nur eine einzige 12 Meter vom nächsten Schatten entfernt auf.
Eine Schildkröte muss deshalb zu jeder Zeit (!) die Möglichkeit haben, einen Schattenplatz aufzusuchen. Es müssen immer Schattenplätze in Form von Korkhöhlen, Steinen und/oder Pflanzen zur Verfügung stehen.
Ein Frühbeet für Schildkröten ist in unseren Breitengraden (Deutschland, Österreich, Schweiz) für eine naturnahe Haltung Europäischer Landschildkröten notwendig. Denn wir haben im Vergleich zum natürlichen Habitat wesentlich weniger Sonnenstunden und die Insentität der Sonne ist viel niedriger. Schildkröten existieren seit 200 Millionen Jahren auf der Erde und es gibt einen guten Grund, warum Landschildkröten in Deutschland nicht in der Natur vorkommen. Ja, sie sind hart im nehmen und es schlüpfen sogar immer mal wieder Jungtiere. Aber es ist auf Dauer zu kalt. Das führt dazu, dasst der Stoffwechsel der Schildkröten nicht richtig in Gang kommt und sie anfälliger für Krankheiten werden.
Schildkröten benötigen zwingend Technik im Frühbeet, damit sie bei schlechtem Wetter auf "Betriebstemperatur" kommen und ihr Stoffwechsel in Gang kommt. Mediterrane Schildkröten, die in Deutschland ohne Frühbeet im Garten leben müssen, nehmen massiv Schaden und werden auf Dauer krank. Es liegt in der Verantwortung und Verpflichtung eines jeden Halters, den Tieren gerecht zu werden und ihnen die Temperaturen zu bieten, die sie benötigen. Ein Frühbeet mit entsprechender Technik ist in unseren Breitengraden ein Muss.