Freigehege, Gehege für Europäische Landschildkröten

Lage

Europäische Landschildkröten sollte man nur in Freilandhaltung halten. Das Freigehege / Außengehege sollte an der sonnigsten Stelle im Garten errichtet werden. Morgendliche Sonne ist für die Aufwärmphase am wichtigsten.

Mein Gehege liegt an einem leichten Hang in Richtung Süden, was optimal ist, um die Sonne steiler auf das Gehege scheinen zu lassen.

Freigehege für Europäische Landschildkröten
Freigehege für Europäische Landschildkröten

Ausstattung des Geheges

Wie ein Freigehege für Landschildkröten ausgestattet sein sollte:

  1. Schildkröten-geeignetes Frühbeet, inklusive Rollenöffner und Lamellenvorhang
  2. Geeignete Schildkröten-Umrandung bzw. Begrenzung, mindestens 25 cm hoch
  3. Bepflanzung mit ungiftigen Pflanzen
  4. Bei weiblichen Tieren: Eiablagehügel

Bodengrund

Muschelschalenschrot

Im Frühbeet

Im Frühbeet eignet sich als Bodengrund am besten Floragard Schildkröten-Substrat. Man kann auch normale Gartenerde zur Auflockerung mit etwas Sand mischen oder Rindenhumus verwenden.

 

Im Freigehege

Plätze mit Kalksteinsplitt oder Muschelschalenschrot sollten nicht fehlen. Diese Stellen trocknen deutlich schneller ab, was im natürlichen Lebensraum der Tiere ebenfalls so ist.

Alle 1-2 Jahre streue ich Jura-Splitt oder Savannen-Splitt im Freilandgehege aus, um für einen kalkhaltigeren Boden zu sorgen.

 

Ausstattung

Ein Frühbeet ist Pflicht. Als Bodengrund empfiehlt es sich, keinen “englischen Rasen” dort zu pflegen, sondern ein möglichst wild bewachsener Boden, auch mit einigen trockenen, kargen, steinigen Flächen. Schotterige Flächen erwärmen sich schneller und bieten gute Sonnenplätze. Natürlich müssen auch Schattenflächen vorhanden sein. Quer liegende Baumstämme und ein paar Felsen (Findlinge) machen das Gehege natürlich und sehr interessant für die Tiere. Eine Badeschale und eine Terrasse aus flachen Steinen vervollständigen neben vielen Futterpflanzen die Einrichtung.

Bepflanzung Schildkrötengehege

Als Bepflanzung für das Gehege als Schattenspender oder Versteck eignen sich Pflanzen, die auch im natürlichen Lebensraum von Landschildkröten als Wildpflanzen vorkommen. Das sind zum Beispiel Aloe Vera, Lavendel, Thymian, Garteneibisch, Gelber Sonnenhut, Frauenmantel, Johanniskraut, Blauschwingelgras, Ysop, Rosmarin, Salbei, Weigelie, Hibiskus, Taglilien, Palmlilie (Yucca), Zistrose, Dost, Eberraute, Minze...

 

Insbesondere mediterrane Kräuter wie Lavendel, Rosmarin, Thymian und Salbei enthalten natürliche ätherische Öle, die den Schildkrötenpanzer pflegen, wenn die Schildkröten an den Pflanzen entlang streifen. Wichtig ist, dass nicht immer gleichen Pflanzen angeboten werden, sondern viel Abwechslung auf dem Speiseplan steht. Schildkröten in freier Natur laufen sehr viel herum und knabbern an verschiedensten Pflanzen.

 

Für Schildkröten giftige Pflanzen wie Efeu, KirschlorbeerRhododendronAzalee, EibeAvocadoSchwalbenwurz sind zum Teil tödlich giftig und dürfen nicht im Gehege sein. Dies sind Beispiele. Die Liste ist nicht vollständig - es gibt weitere für Schildkröten giftige Pflanzen.

Weitere geeignete Gehegepflanzen, die auch gefressen werden

Weitere gute Gehegepflanzen für Schildkröten sind:

  • Acker-Glockenblume (Campanula rapunculoides): Diese Pflanze bringt nicht nur Schönheit ins Schildkrötengehege, sondern ist auch eine wertvolle Futterpflanze für Landschildkröten.
  • Currykraut (Helichrysum italicum). Das Currykraut wird auch Currystrauch oder italienische Strohblume genannt und hat eine Wuchshöhe von 20-50 cm. Stammt aus Südeuropa und dem Mittelmeerraum. Gut als Schattenplatz und wird teilweise sogar von einigen Landschildkröten gefressen.
  • Fingerstrauch & Fünffingerstrauch (Potentilla spec.): Sehr gute Futterpflanze mit gelben Blüten (bzw. bei "Red Ace" mit roten Blüten) und krautigem Wuchs. Wird auch als Sonnenschutz gerne von Landschildkröten aufgesucht. Auch das großblütige Fingerkraut (Potentilla megalantha) Pflanze bildet große gelbe Blüten, ist winterhart und ist eine sehr gute Futterpflanze für Landschildkröten.
  • Funkie (Hosta spec.): Funkien werden meist nicht als Futterpflanze angesehen, werden aber gerne als Versteck genutzt. Die Blätter werden von den Schildkröten hin und wieder ein wenig angeknabbert.
  • Golliwoog – Kriechendes Schönpolster (Callisia repens): Nicht winterhart, aber eine sehr beliebte Futterpflanze für Europäische (z.B. Griechische) Landschildkröten und wird (wenn auch wegen der Form der Blätter) auch "Die Schildkrötenpflanze" genannt. Golliwoog gehört zu den meist empfohlenen Futterpflanzen für Schildkröten und enthält wertvolle Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Bitte kauft keinesfalls Callisia repens Pflanzen aus dem Baumarkt oder im Gartencenter. Nur bei der Marke "Golliwoog" kann man sicher sein, dass die Pflanze ohne Pflanzenschutzmittel angebaut wurde.
  • Johanniskraut (Hypericum spec.): Als Beifutter für Schildkröten geeignet. Allerdings kann die Pflanze bei Säugetieren (also auch Menschen) Hautreizungen verursachen und darf von Menschen und Säugetieren nicht gegessen werden.
  • Lungenkraut (Pulmonaria spec.): Ein gutes Futter für Landschildkröten und ein robustes Kraut im Freigehege.
  • Storchschnabel (Geranium pratense): Der Wiesen-Storchschnabel hat schöne hellblaue Blüten und dient Schildkröten in erster Linie als Sonnenschutz mit Halbschatten. Gefressen wird er nur mäßig aber wie man sieht, schmecken besonders die Blüten zwischendurch mal ganz gut.
  • Taglilie (Hemerocallis spec.): Die Blüten von Taglilien werden von den meisten Landschildkröten sehr gerne gefressen. Auch für Menschen sind die Blüten essbar. Eine super Pflanze zum Verstecken für Schildkröten.
  • Zwergginster (Chamaecytisus): Blätter und Blüten der Zwerg-Ginster werden von einigen Schildkröten gerne gefressen. Die Pflanze kommt auch im natürlichen Lebensraum Europäischer Landschildkröten vor, blüht sehr schön und ist winterhart.

Umrandung / Begrenzung des Freigeheges

Bei der Begrenzung für das Schildkrötengehege ist einzig und alleine wichtig, dass diese nicht von den Schildkröten überwunden, also überklettert, werden kann. Die Mindesthöhe sollte daher 25 cm betragen und die Begrenzung sollte so glatt sein, dass Landschildkröten nicht daran hochklettern können.

 

Darüber hinaus sollte die Umrandung eines Schildkrötengeheges nicht durchsichtig sein, damit Schildkröten diese auch als klare Begrenzung wahrnehmen und nicht ständig versuchen, diese zu überwinden.

Beispiele

Eine ausbruchsichere Begrenzung für eine Schildkröten-Gehege kann zum Beispiel bestehen aus:

  • einer Natursteinmauer (ideal und auch optisch top)
  • Pflanzsteinen (Vorteil: Können mit Futterpflanzen bepflanzt werden und sind leicht erweiterbar)
  • Holzpalisaden / Rollpalisaden (Nachteil: Kurze Haltbarkeit)
  • Holz-Sichtschutzwände / Flechtzäune
  • Randsteinen
  • Beetrollis (meistens zu niedrig, kurze Lebensdauer)
  • Beton Rundpalisaden-Randsteine

Bilder von Umrandungen

Welche Begrenzung du für dein Schildkrötengehege verwendest, ist ganz alleine dir zu überlassen. Meine Empfehlung ist, sich für eine Lösung zu entscheiden, die nicht so schnell verrottet, da man sich hiermit doppelte Arbeit macht. Berücksichtigen sollte man, dass adulte Europäische Landschildkröten eine unglaubliche Ausdauer haben können, wenn es darum geht, ein Hindernis zu überwinden. Insbesondere die Ecken des Gehege sollten so gestaltet sein, dass Schildkröten nicht die Umzäunung überwinden können.

Ist es notwendig, dass die Begrenzung in die Erde geht?

Das kommt auf die Schildkrötenart an. Während sich die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) z.B. nicht unter einer Begrenzung hindurchgräbt, muss man als Halter einer Vierzehenschildkröte (Testudo horsfieldii) seine Umrandung mindestens 20 cm tief in die Erde versenken. Vierzehenschildkröten graben in der Natur meterlange Gänge und können Umrandungen, die nicht in die Erde ragen, sehr leicht untergraben und so ausbrechen.

Weitere Gehegeabgrenzungen unserer Facebook-Fans

Wie ihr seht, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und es gibt unterschiedlichste Idee und Möglichkeiten, ein Freigehege für Schildkröten abzugrenzen.

Ungeeignete Umrandungen

  1. Zu niedrige Begrenzung
  2. Gitter und andere durchsichtige Begrenzungen
Lücken laden zum Ausbrechen ein
Lücken laden zum Ausbrechen ein

Es gibt auch große komplett umgitterte Freilaufgehege, die aber am Rand mit einer undurchsichtigen Kante verblendet werden sollten, damit die Schildkröten diesen als Begrenzung erkennen. Auch ein Maschendrahtzaun ist keine geeignete Begrenzung für Schildkröten, da sie diesen immer wieder versuchen, zu überklettern. Je nach Höhe kann das auch gefährlich werden.

 

Bei allen Umrandungen für Schildkrötengehege gilt: Sie muss hoch genug sein, man darf sie nicht überklettern können und Lücken dürfen ebenfalls nicht vorhanden sein, wie diese Griechische Landschildkröte beweist :-)


Häufig gestellte Fragen über die Haltung von Landschildkröten

 

Wie hält man eine Landschildkröte?

Eine Europäische Landschildkröte hält man - abgesehen vom Winter - im Freigehege mit Frühbeet. Die Haltung in einem Terrarium ist für diese Tiere nicht artgerecht.

 

Wie hält man Schildkröten im Garten?

Der Garten für Schildkröten muss in einem Bereich so umrandet sein, dass Schildkröten diese Eingrenzung keinesfalls überwinden können. Die Umrandung muss mindestens 25 cm hoch sein. Im Freigehege muss sich ein Frühbeet befinden.

 

Wie halte ich eine griechische Landschildkröte richtig?

Die Griechische Landschildkröte benötigt ein fest eingerichtetes Freigehege mit Frühbeet, Deckelöffner für das Frühbeet und ein Schildkrötenhaus darin.

 

Benötigen Schildkröten ein Frühbeet?

Ja, benötigen sie. Insbesondere in den Übergangszeiten sind unsere Tage zu kurz und die Nächte zu kalt. Dies kann mit einem guten Frühbeet wie einem Alltop-Frühbeet von Soli Animalis ausgeglichen werden.

 

Wie hoch muss die Umrandung des Freigeheges sein?

Die Umrandung eines Freigeheges muss mindestens 25-30 cm hoch sein, damit die Landschildkröten nicht ausbrechen können. Woraus die Eingrenzung besteht, ist Geschmackssache. Ein Zaun ist nicht geeignet, da dieser überklettert werden kann.

 

Wie warm braucht es eine griechische Landschildkröte?

Griechische Landschildkröten mögen warme Temperaturen von 25 - 30°C. Als Sonnenplatztemperatur ist 40°C die richtige Temperatur. Es müssen jederzeit kühlere Bereiche für die Schildkröte aufsuchbar sein.

 

Ein paar Fotos von Freigehegen zur Inspiration

Freilandgehege für Jungtiere oder kleine Schildkröten

Auch Jungtiere gehören in ein Freilandgehege. In den ersten 4-5 Jahren sollten sie ein kleines Gehege bekommen, welches mit Gitter (hier sieht man Jungtiergehege) oder ähnlichem gegen Raubvögel gesichert sind. Mit der Größe der Tiere sollte das Gehege wachsen. Ausgewachsene Tiere sollten eine Fläche von mindestens 10 qm zur Verfügung haben und für jedes weitere Tier sollten mindestens 5 qm dazukommen. Die Umrandung muss mindestens 25-30 cm hoch sein, damit die Schildkröten nicht ausbrechen können. Ich habe aus Natursteinen eine Mauer gebaut.

Freilaufgehege für kleine Schildkröten
Freilaufgehege für kleine Schildkröten

Dieses Freilaufgehege für Schildkröten ist 206 x 103 cm groß und kann sehr gut als Gehege für Babyschildkröten genutzt werden. Der aufklabbare Deckel des Freilaufs ermöglicht einen leichten Zugang zu den Schildkröten an jeder Stelle des Geheges.

 

Diese Freilaufgehege können besonders gut als Gehege für Babyschildkröten genutzt werden. Durch den Draht über dem Freilauf bieten sie Schutz vor Raubvögeln, Hunden, Waschbären, Mardern und Ratten welche kleinen Schildkröten sehr gefährlich werden können.

 

Gleichzeitig ist ein hochwertiges 16 mm starkes Frühbeet direkt ans Gehege angebunden, wodurch man auf eine Gesamtgröße von 309 x 103 cm kommt.