Die größte Schildkröte der Welt auf den Seychellen

Aldabra-Riesenschildkröte auf den Seychellen (La Digue)
Aldabra-Riesenschildkröte auf den Seychellen (La Digue)

Hier präsentiere ich nun einige Bilder der Aldabra-Riesenschildkröte (Aldabrachelys gigantea) auf der Seychellen-Insel La Digue, die ich im Jahr 2014/2015 besucht habe. Auf den Seychellen lebt nur noch diese eine rezente (bedeutet = in der heutigen Zeit lebende) Landschildkrötenart. Die Aldabra-Riesenschildkröte ist die größte Schildkröte der Welt. Sie erreicht ein Körpergewicht von bis zu 250 Kilogramm und eine Panzerlänge von bis zu 122 Zentimetern.

Informationen zur Seychellen-Insel La Digue

Die Seychellen-Insel La Digue ist mit ca. 2.200 Bewohnern, den Diguois, die viertgrößte Insel der Seychellen. Sie liegt etwa 45 Kilometer von der Hauptinsel Mahé und sechs Kilometer von Praslin entfernt. Von Praslin aus erreicht man die Insel am besten mit einer schnellen Fähre, die am Hafen des Hauptortes La Passe anlegt. Aufgrund seiner unmittelbaren Lage am Äquator verfügt La Digue über ein gleichbleibendes tropisches Klima, mit ganzjährig hoher Luftfeuchtigkeit und Durchschnittstemperaturen von 25 bis 30 °C. Optimal für Riesenschildkröten. 

 

Auf einem Bild habe ich auch einen Seychellen-Flughund (Pteropus seychellensis) fotografiert. Das ist ein Flughund, der in den Wäldern der Seychellen sowie der Komoren und der Insel Mafia in Tansania lebt.

Diese faszinierende Riesenschildkröte ist bei vorbeikommenden Touristen natürlich eine Attraktion. Auf La Digue ist das Fahrrad das beliebteste Fortbewegungsmittel. Auch wenn leider immer mehr Autos die Insel erobern.

Gut zu sehen ist auf einigen Bildern das kleine Nackenschild (Cervicalschild) am Panzer über dem Hals, welches einen Großteil der Aldabra-Riesenschildkröten unter anderem von der Galapagos-Riesenschildkröte (Chelonoidis niger) unterscheidet. Einen Großteil deshalb, da nicht alle Aldabras dieses Nackenschild aufweisen. Das Aldabra-Atoll, auf dem heute die meisten Aldabra-Riesenschildkröten leben, wurde 1982 von der UNESCO zum Naturerbe der Menschheit erklärt.

Nackenschild der Aldabra-Riesenschildkröte ist kein ganz sicheres Erkennungszeichen, da es bei einigen Tieren fehlt
Nackenschild der Aldabra-Riesenschildkröte ist kein ganz sicheres Erkennungszeichen, da es bei einigen Tieren fehlt

Anse Source d’Argent

Am Strand Anse Source d’Argent wurde unter anderem der berühmte Raffaello Werbespot und Werbeaufnahmen für karibischen Rum gedreht. Mit seinen Felsen (Granitfelsen), glasklarem um die 28 °C warmem Wasser und bunten Fischen ist er sehr schön und ein beliebtes Touristenziel.

Schildkröten im L’Union Estate Naturschutzpark

Schildkröten findet man im Naturschutzpark von La Digue am Anse Source d’Argent allerdings leider nur in einem unansprechenden und für die Anzahl der Riesenschildkröten ziemlich kleinem Gehege, welches zum L’Union Estate Naturschutzpark gehört. Laut Schild sind die Tiere in dem Gehege zwischen 30 und 90 Jahre alt. Wo jüngere und ältere Tiere sein sollen, konnte ich nicht herausfinden.

Es ist sehr traurig, dass geschätzt 90-95% aller auf der Insel eigentlich heimischen Aldabra-Riesenschildkröten unter unwürdigen Bedingungen in diesem und noch wesentlich kleineren Gehegen (ich habe ein privates gesehen, in dem sich die Tiere kaum umdrehen können), gehalten werden.

Auf den Bildern kann man die Größe von bis zu 1,22 Meter bei freilebenden Aldabra-Riesenschildkröten (Männchen) erahnen. Weibchen werden bis zu 87 cm groß.

Petite Anse auf La Digue

Der Petite Anse mit seinen Felsformationen gehört für mich zu den schönsten Stränden der Seychellen. Er ist nur über einen schmalen, steinigen Fußweg über den Strand Grand Anse zu erreichen. Hier findet man allerdings keine Riesenschildkröten. Aber dafür viele andere Tiere:

Futter der Riesenschildkröten

Dunkle, grüne Blätter sind gute Quellen für Ballaststoffe, Kalzium, Kalium und Eisen. Aber auch Blätter und Früchte wie diese Mango sind ein Leckerbissen. Zum Teil werden Mangos sogar mit Kern von den großen Tieren verspeist.

Curieuse (Seychellen) - Heimat der Aldabra-Riesenschildkröte (Geochelone gigantea)

Je nach Saison kann man sich für ca. 30-40 Euro mit einem kleinen Boot von Praslin zur fünftgrößten Insel Curieuse bringen lassen. Curieuse ist drei Quadratkilometer groß und liegt nur einen Kilometer von der Nordküste Praslins entfernt. Sie zählt wie alle Granitinseln zu den inneren Seychellen um die Hauptinsel Mahé. Vom Anse Volbert (Cote d’Or) gelangt man in etwa 15 Minuten mit dem Boot nach Curieuse.

Boot auf dem Weg nach Curieuse, Seychellen
Boot auf dem Weg nach Curieuse, Seychellen

Doctors House für Lepra-Kranke - heute ein Museum

Von 1833 bis zum Jahr 1965 wurde Curieuse als Leprakolonie verwendet. Ende des 18. Jahrhunderts haben Seefahrer und Bewohner der Insel die ursprünglich auf der Insel beheimateten Seychellen-Riesenschildkröten ausgerottet. Seefahrer schätzten die Riesenschildkröten als lebende Fleischkonserve und luden sie vor längeren Fahrten zu Hunderten auf ihre Schiffe, um sie nach und nach zu verspeisen.

Museum mit Bild von Riesenschildkröten
Museum mit Bild von Riesenschildkröten

Ansiedlung von Aldabrachelys gigantea auf den Seychellen

Das Aldabra-Atoll ist die Heimat der größten Schildkröte der Welt. Zwischen 1978 und 1982 wurden bei einem Naturschutzprojekt 300 Aldabra-Riesenschildkröten (Aldabrachelys gigantea / Geochelone gigantea) vom Aldabra-Atoll nach Curieuse umgesiedelt. Sie sind nur auf dem schwer erreichbaren Aldabra-Atoll (98% der Gesamtpopulation lebt auf der Hauptinsel Grand Terre), auf Curieuse und wenigen kleinen Inseln des indischen Ozeans freilebend anzutreffen.

Größte Schildkröte der Welt bzw. größte Schildkrötenart der Welt
Größte Schildkröte der Welt bzw. größte Schildkrötenart der Welt

Die meisten der großen Tiere sind sehr neugierig und kommen von sich aus auf den Menschen zu. Tiere, die sich bei Annäherung von einem abwenden, möchten jedoch in Ruhe gelassen werden. Das sollte man respektieren und sie nicht weiter stören.

Auf der Insel sind heute etwa 500 Aldabra-Riesenschildkröten beheimatet, die ein Höchstalter von bis zu 256 Jahren erreichen können. Curieuse ist seit 1979 Teil des Curieuse Marine Nationalpark, um die einheimische Tierwelt zu schützen.

Aldabra-Schildkröten haben einen verhältnismäßig kleinen Kopf, der kaum größer ist als der Durchmesser des Halses. Im Gegensatz zur Galapagos-Riesenschildkröte haben Aldabra-Riesenschildkröten größere Kopfschuppen und meist ein charakteristisches Nackenschild. Das Nackenschild ist kein sicheres Erkennungszeichen. Bei einem geringen Prozentsatz der Tiere fehlt das Nackenschild.

Die meisten Besucher der Insel gehen bei Baie Laraie an Land und treffen dort sofort auf die ersten Riesenschildkröten beim Ranger Hauptquartier am Turtle Pond.

Durch die Nasenlöcher trinken

Die Aldabra-Riesenschildkröte hat eine besondere Fähigkeit: Sie kann als einzige Riesenschildkröten-Art mit den Nasenlöchern trinken. Dieses besondere Verhalten ist eine Anpassung an das Leben auf dem Aldabra-Atoll. Da es hier keine Trinkwasserquellen gibt und jedes Regenwasser im Kalkstein sofort versickert, mussten die Schildkröten sich dem anpassen. Durch die vorne am Schädel sitzenden, relativ vertikalen Nasenlöcher kann die Schildkröte auch kleinste Wassermengen aus Spalten und Ritzen zügig aufnehmen.

Mangroven

Von Baie Laraie aus führt ein Weg durch Mangrovenwälder zum Strand Anse José, wo man ein kleines Museum - das ehemalige Haus des Arztes für Lepra-Kranke - besuchen kann. Am Anse José legen alljährlich zwischen Oktober und Februar mehrere Dutzend Karettschildkröten ihre Eier ab. Curieuse zählt mit zu den wichtigsten Eiablageplätzen der vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröten. Auf dem Weg durch die Mangrovenwälder sieht man immer wieder mittelgroße bis große Schildkröten. Die meisten Tiere findet man am Strand Baie Laraie.

Die Schildkröten “grasen” überwiegend. Faserreiche, niedrig wachsende Gräser, Kräuter und Seggen, der sogenannte “tortoise turf”, sind sowohl auf dem Aldabra-Atoll als auch auf Curieuse die Hauptnahrungsquelle der Aldabra-Schildkröten. Auch Blüten, Früchte und Laub werden gerne gefressen. Zu einem kleinen Teil (0,5%) wird auch Kot anderer Tiere sowie Aas nicht verschmäht.

Da die Riesenschildkröten Früchte wie Mango oder Papya lieben und hin und wieder von Touristen damit gefüttert werden, kommen sie oft sehr interessiert angelaufen. Wer also ein paar heruntergefallene Früchte auf Praslin einsammelt, kann damit den Tieren einen leckeren Gefallen tun. Bitte aber auf die Finger aufpassen. Wenn die Schildkröte diese versehentlich erwischt, kann das zu schmerzhaften Verletzungen führen.

Wir haben 2 Stunden auf Curieuse verbracht. Diese Zeit hat ausgereicht, um viele große und kleinere Exemplare der Aldabra-Riesenschildkröte zu sehen und ausgiebig zu beobachten und gut 400 Fotos zu schießen.

Informationstafel zu den Schildkröten

Auf Informationstafeln wird der Lebenszyklus der Riesenschildkröten dargestellt und wie man Männchen und Weibchen unterscheiden kann. Ab 50-60 cm Länge ist eine sichere Geschlechtsunterscheidung möglich. Aldabra-Männchen werden mit bis zu 122 cm Länge und bis über 250 kg Gewicht wesentlich größer als die Weibchen. Die Weibchen werden etwa bis 90 cm lang, bis zu 167 kg schwer und haben einen gewölbteren Panzer (Carapax) als die Männchen. Die durchschnittlichen Gewichte sind allerdings je nach Altersstruktur und Nahrungsangebot mit 20–50 kg deutlich geringer. Auf Curieuse haben die Tiere eine Panzerlänge von 70-96 cm und ein Gewicht von bis zu 120 kg. Männliche Tiere haben - wie man es auch von anderen Schildkrötenarten kennt - einen längeren Schwanz und einen konkaven Bauchpanzer. Der Carapax ist insgesamt flacher und hinten weiter.

Die Wachstumsringe auf dem Panzer entstehen in den nahrungsreichen Regenzeiten durch Wachstumsschübe des Panzerhornes. Bei älteren Tieren sind die Panzer durch die steinige Umgebung, durch das Aufeinandersteigen der Tiere im Schatten, bei der Nahrungsaufnahme und bei der Paarung sichtbar abgenutzt.

Schutz vor der Mittagshitze

In der Mittagshitze befinden sich die Schildkröten überwiegend im Schatten unter Büschen oder sitzen in kühlenden, schattigen Schlammlöchern und ruhen oder schlafen dort.

Aldabra-Riesenschildkröte kühlt sich in einem Schlammloch ab
Aldabra-Riesenschildkröte kühlt sich in einem Schlammloch ab

B.B.Q Area

Die B.B.Q Area macht zwar auf den ersten Blick den Eindruck eines Schildkrötengeheges, ist aber eher ein Menschengehege. Hier kann man in Ruhe essen, ohne von den Riesen gestört zu werden. Wir haben natürlich an einem Holztisch am Strand eine Kleinigkeit unseres mitgebrachten Proviants gegessen - wo sonst hat man schon die Chance, dass freilebende Riesenschildkröten einem beim Essen Gesellschaft leisten?

B.B.Q Area
B.B.Q Area

Aufzuchtgehege für Jungtiere

Es gibt auch ein Aufzuchtgehege mit Jungtieren der Aldabra-Riesenschildkröte im Alter von einigen Wochen bis zu wenigen Jahren. Dass die kleinsten in den ersten Jahren geschützt aufwachsen müssen, ist in erster Linie ein menschliches Problem. So wird verhindert, dass Inselbesucher die Nachzuchten einfach mitnehmen. Die Nistplätze befinden sich optimalerweise an der Grenze zwischen Sonne und Schatten mit einer täglichen Sonneneinstrahlung von etwa 5 Stunden. Dabei schwankt die Nesttemperatur zwischen 27 und 30 °C. Das Nest ist ca. 25 cm tief. Nach einer temperaturabhängigen Inkubationszeit von 85 bis 150 Tagen schlüpfen die Jungtiere und graben sich an die Oberfläche.

In 2 Gehegen kann man einige Wochen alte Jungtiere der Aldabrachelys gigantea Nachzuchten bis zu wenige Jahre alte Nachzuchten beobachten. Auffallend die sehr dunkle Färbung der jungen Schildkröten.

Paarung der Aldabra-Riesenschildkröte

Spannend ist, die Riesen bei der Paarung zu beobachten. Aldabra-Riesenschildkröten auf Curieuse paaren sich vorwiegend in der “Regenzeit” zwischen Oktober und April. Eine richtige Regenzeit gibt es nicht aber besonders in den Monaten Dezember bis März können vermehrt Zyklone auftreten, die starken Wind und hohen Niederschlag mit sich bringen. Die Laute von Männchen bei der Begattung hört man oft noch in 1 Kilometer Entfernung. Geschlechtsreif werden die Tiere je nach Population mit 20 bis 30 Jahren.

Man geht davon aus, dass diese Schildkröten sich auf den Seychellen entwickelt haben. Die Annahme, dass die Tiere ursprünglich aus Madagaskar stammen, konnte nicht belegt werden. Sowohl madagassische als auch Aldabra-Riesenschildkröten haben sich vermutlich aus Seychellen-Riesenschildkröten entwickelt (GERLACH 1996).

Mit einer Population von über 100.000 Tieren ist diese Schildkrötenart nicht akut vom Aussterben bedroht.

Die schweren Riesenschildkröten richten sich gerne so hoch wie möglich auf, wenn man sie am Hals krault. Dieses Verhalten kennt man von Galapagos-Riesenschildkröten, die, wenn ein Vogel in ihre Nähe kommt, diesen so dazu einlädt, Parasiten von der Haut zu picken. Allerdings besitzen Aldabra-Riesenschildkröten im Gegensatz zu den Galapagos-Riesen weder Parasiten, noch werden sie von den Vögeln in irgendeiner Form beachtet. Ganz offensichtlich gefällt es den Tieren aber wenn sie an der Haut berührt werden.

Karettschildkröte vor Coco Island (Seychellen)

Die Insel ist für die seltenen Coco de Mer Palmen, die großen Takamaka Bäume, einer großen Meeresschildkröten Kolonie (Echte Karettschildkröte, Eretmochelys imbricata) und einige Vogelarten, wie z.B. den ebenfalls seltenen Seychelles Black Parrot Coracopsis nigra barklyi (ein Papagei) bekannt. Von der Echten Karettschildkröte existieren zwei Unterarten. Auf den Seychellen ist die Pazifische Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata bissa) heimisch. Die Echte Karettschildkröte wird bis zu 90 Zentimeter lang und 75 Kilogramm schwer.

Vorkommen auf den Seychellen

Beim Tauchen oder Schnorcheln auf den Seychellen findet man hauptsächlich Jungtiere, wie man auf den Fotos sehen kann. Sie ernähren sich überwiegend von Schwämmen, die zwischen Korallenriffen leben. So schmale Kopf und Schnabel sind dafür optimal geeignet. Die Unterart Eretmochelys imbricata bissa erkennt man daran, dass der Carapax hinten eher abgerundet ist. Der Rückenpanzer ist dunkelbraun, der Bauchpanzer ist hell gefleckt. Diese Meeresschildkröte habe ich vor der kleinen Seychellen-Insel Coco Island angetroffen. Die Eier auf dem letzten Bild wurden vermutlich von einem Hund auf der Seychelleninsel Moyenne ausgegraben.

Geschlechtsreife

Die Echte Karettschildkröte erreicht in einem Alter von drei bis 5 Jahren Geschlechtsreife. Die Gelege umfassen meist zwischen 100 und 170 Eier. Nach einer Inkubationszeit von etwa 60 Tagen (+/- 4 Tage) schlüpfen die Jungtiere.

Vom Aussterben bedroht

Besonders aufgrund ihres Fleisches und wegen des Schildpatts wurde die Echten Karettschildkröte bejagt. Sie steht heute durch das Washingtoner Artenschutzabkommen unter internationalem Schutz.

Aldabra-Riesenschildkröten auf Moyenne, Seychellen

Seychellen-Riesenschildkröten auf der Robinson-Insel Moyenne - Two Men and an Island

Rene (”Freitag”) und Brendon (”Robinson”) vor Moyenne. Das Paradies von Brendon Grimshaw sollte seinem Willen nach eines Tages sein Adoptivsohn René erben. Dazu kam es leider nicht...

Marine Charter, Victoria, Mahe Island

Vom Hafen Marine Charter der Hauptstadt der Seychellen, Victoria, kann man einen Ausflug zur 20 ca. Bootsminuten entfernten Insel Moyenne buchen. Moyenne ist der kleinste Nationalpark der Seychellen.

Beim Betreten der Seychellen-Insel Moyenne erwartet einen ein Schild "Moyenne Island. Bitte zerstören Sie kein Tier-oder Pflanzenleben. Machen Sie Fotos, aber hinterlassen Sie nichts, außer Fußspuren".

Der britische Journalist Brendon Grimshaw hat Moyenne Island 1962 für ca. 10.000 britische Pfund gekauft und die damals kahle Insel mit gerade einmal 4 Bäumen in ein Paradies verwandelt. Ihm ist es zu verdanken, dass Moyenne heute eine grüne, von Schildkröten bewohnte Insel ist. Mit Hilfe des Einheimischen René Antoine Lafortune hat er ca. 16.000 Bäume (unter anderem einige Coco de Mer Palmen) gepflanzt und einen Rundgang auf der Insel angelegt.

Seychellen-Riesenschildkröten

Die etwa 130 Seychellen-Riesenschildkröten (Aldabra-Riesenschildkröten, Aldabrachelys gigantea), die vom Aldabra-Atoll stammen, sind einer der größten zusammenhängenden Populationen der Welt dieser Art.

Moyenne ist Teil des Sainte Anne Marine National Park und seit 2009 ist die Insel ein eigenständiger Nationalpark, der Moyenne Island National Park. Die Stiftung Moyenne Island Foundation bewahrt die Insel mit dem Status “geschützter Nationalpark” vor Hotelinvestoren. Denn Grimshaws größter Wunsch und letzter Wille war, dass auf der Insel, seinem Ein und Alles, nie ein Hotel gebaut werden soll.

Schildkröten haben Vorfahrt

Vom Strand aus führt eine steile Treppe in Richtung Restaurant der Insel, von wo aus man einen Rundgang um die Insel starten kann. Oben angekommen, wurden wir gleich von 3 ausgewachsenen und einer juvenilen Seychellen-Riesenschildkröte begrüßt. Die wichtigste Regel auf Moyenne lautet: Schildkröten haben Vorfahrt!

Grab von Brendon Grimshaw

Leider durfte ich Brendon Grimshaw nicht mehr kennenlernen. Er starb 2012 und ist nun auf dem kleinen Friedhof in einem von vier steinernen Gräbern auf der Insel beerdigt. In einem Grab liegt der Vater von Brendon, Reymond Grimshaw. Die anderen beiden Gräber sollen Gebeine von unbekannten Piraten beinhalten, die rund um die Seychellen ihr Unwesen trieben.

René Antoine Lafortune, Adoptivsohn von Grimshaw, ist Anfang der 2000er Jahre an Krebs verstorben und wurde nach dem Willen seiner Familie auf Mahé bestattet. Ein schwerer Schicksalsschlag für Grimshaw.

Brendon Grimshaw mit seinem Adoptivsohn René
Brendon Grimshaw mit seinem Adoptivsohn René

Bis einige Jahre vor seinem Tod hat Grimshaw noch nach einem angeblich auf der Insel versteckten Piratenschatz, dem “Schatz von Labuse” gesucht, der etwa 30 Millionen britische Pfund wert sein soll. Bevor der Pirat Oliver le Vasseur 1730 hingerichtet wurde, waren seine letzten Worte: “Mein Schatz demjenigen, der dies versteht.” Sein Schatz wurde bis heute nicht gefunden.

 

Laut Grimshaws Erzählungen soll auf der Insel auch ein Geist namens Mary Best, einer Engländerin, spuken, die um 1910 auf der Insel lebte.

Ausblick auf Round-Island

Direkte Nachbarn der Insel sind Round-Island (eine ehemalige Leprakolonie) und Long Island (aktuell das Staatsgefängnis).

Museum von Moyenne

Moyenne hat ein kleines Museum, in dem Brendon Grimshaw unter anderem Zeitungsartikel aus aller Welt über Moyenne und sein “Paradiesisches Leben des Robinson Grimshaw” gesammelt und aufgehängt hat. Neben verschiedensten Muscheln ist auch ein leerer Schildkrötenpanzer zu sehen.

Beim Rundgang durch die Insel trifft man immer wieder auf Aldabra-Riesenschildkröten, die sich auf der ganzen Insel frei bewegen können. Am Strand findest sich auch der ein oder andere Einsiedlerkrebs in einer Muschel.

Panzerverletzung bei Riesenschildkröte durch Kokosnüsse

Kokosnüsse können Schildkrötenpanzer schwer beschädigen. Hier sehen wir Panzerverletzungen, die vermutlich durch heruntergefallene Kokosnüsse verursacht wurden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit aber glücklicherweise erst nach ihrem Tod. Vom Rundgang aus kaum zu sehen, liegt zwischen großen Steinen ein leerer Panzer einer vermutlich vor mehreren Jahren gestorbenen Riesenschildkröte. Da dieser inmitten von Kokosnusspalmen liegt, haben heruntergefallene Kokosnüsse den Panzer durchbrochen. Eine liegt sogar nun im Inneren des Panzers.

Riesenschildkröte im Regen

Riesenschildkröten mögen Regen. Dieser sorgt für etwas Abkühlung.

Seychellen-Riesenschildkröte im Regen
Seychellen-Riesenschildkröte im Regen

Madagaskarweber und Madagaskartauben

Ein Madagaskarweber kommt selten allein. In kleinen Gruppen durchstreifen die Vögel ihren Lebensraum auf den Seychellen. Diese hier zu sehende große Gruppe hat sich hier wegen einer Fütterung auf Moyenne versammelt. Die leuchtend rot gefärbten Vögel sind Männchen und die graubraunen, die ähnlich wie Spatzen aussehen, sind die Weibchen.

Die Madagaskartaube kommt auf Mauritius, La Réunion, auf den Komoren und den Seychellen häufig vor.

Der Seychellen-Flughund (Pteropus seychellensis) ist ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems der Inseln und verbreitet die Samen vieler Baumarten.
Der Seychellen-Flughund (Pteropus seychellensis) ist ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems der Inseln und verbreitet die Samen vieler Baumarten.

Nachzucht einer Seychellen-Riesenschildkröte auf Moyenne

Die Nachzuchten der Seychellen-Riesenschildkröte auf Moyenne werden nach dem Schlupf eingesammelt und bis zu 10 Jahre geschützt aufgezogen, bevor sie freigelassen werden. Aus Schutz vor Diebstahl. Privatleute sollten keine Seychellen-Riesenschildkröten halten. Eine artgerechte Unterbringung in Gefangenschaft ist kaum möglich und wäre zudem sehr teuer.

Hund von Brendon Grimshaw

Der Hund "Yellow" von Brendon Grimshaw muss nun ohne sein geliebtes Herrchen auf der Insel weiterleben. Die Mitarbeiter des Nationalparks kümmern sich seit dem Tod von Grimshaw um ihn.