Vierzehenschildkröte (Testudo horsfieldii)

Die Vierzehenschildkröte, auch Russische Landschildkröte bzw. Steppenschildkröte genannt (Testudo horsfieldii oder auch Agrionemys horsfieldii) ist an dem ovalen bis kreisrunden Rückenpanzer zu erkennen, der insgesamt deutlich flacher ist als bei den anderen Europäischen Landschildkröten. Der Schwanzschild ist immer ungeteilt und an den kräftigen Vorderbeinen befinden sich, wieder im Gegensatz zu den anderen Testudo-Arten, grundsätzlich nur vier Zehen, mit sehr kräftigen Krallen. Diese Art erreicht eine Größe von bis zu 25 cm (Weibchen) und ein Gewicht von bis zu 2 Kilogramm.

Natürlicher Lebensraum

Testudo horsfieldii bewohnt wüsten- und steppenartige Lebensräume mit spärlichem Pflanzenbewuchs. Sie kommen überwiegend in mittelasiatischen Hügelformationen vor.

Naturnahes Freigehege von Testudo horsfieldii
Naturnahes Freigehege von Testudo horsfieldii

In ihrem natürlichen Habitat graben sie tiefe, bis zu einige Meter lange Wohnhöhlen.

Haltung

Auch für diese europäische Schildkrötenart gilt: Eine ausschließliche Terrarienhaltung ist nicht artgerecht. Sie sollte einen dauerhaften Aufenthalt in einem möglichst naturnahen Freigehege mit Frühbeet genießen dürfen. Wichtig ist bei Testudo horsfieldii, dass die Umrandung des Geheges in den Boden ragt, da diese Art besonders gerne und gut graben kann. Wer auf Nummer sicher gehen will, sorgt daher bei der Umrandung für einen Unterkriechschutz bis zu einer Tiefe von 30 cm. Ansonsten unterscheidet sich die Freilandhaltung nicht von Testudo hermanni.

Eine Russische Landschildkröte in ihrem Gehege. © Xaver Wapelhorst
Eine Russische Landschildkröte in ihrem Gehege. © Xaver Wapelhorst

Die Sonnenplatztemperatur von Vierzehenschildkröten sollte bei 40-45°C Grad liegen.

Fütterung

Bei der Auswahl ihrer Futterpflanzen sind die Tiere nicht besonders wählerisch. Es gibt kaum Wildkräuter, die von ihnen verschmäht werden. Natürlich muss auch täglich frisches Wasser aus einer flachen Schale zur Verfügung stehen. Als Zusatzfutter eignet sich Agrobs.

Winterstarre der Vierzehenschildkröte

Die optimale Überwinterungstemperatur von Testudo horsfieldii beträgt 2 - 5 Grad. Die Tiere überwintern etwa 4 - 5 Monate in nicht staubtrockener Gartenerde oder Maulwurfserde aber das Substrat sollte deutlich trockener sein als bei Testudo hermanni. Auch diese Art hiberniert am besten in einem separaten Kühlschrank im Keller. Ein sinvolles Extra bei der Überwinterung ist der UT200 bzw. UT300.

Eine Einwinterung findet nur bei gesunden Tieren statt. Einige Wochen vor der Winterstarre sollte eine Kotprobe auf Parasiten untersucht werden.

Sommerruhe

Die Sommerruhe ist eine Besonderheit von Testudo horsfieldii. Auf diese Weise überbrücken die Tiere in ihren Heimatbiotopen die heiße und somit nahrungsarme Jahreszeit. In freier Natur geht diese Sommerruhe oft direkt in die Winterruhe über. Bei unserer Haltung ist eine so lange Ruhezeit nicht zu empfehlen. Wenn Sie im Sommer wochenlang vergraben sind, sollte man sie ausgraben und ihnen zeigen dass eine Sommerruhe hier nicht notwendig ist. Am besten durch ein Angebot von frischem Grünfutter.

Vierzehenschildkröte gähnt
Vierzehenschildkröte gähnt

Jungtiere und Nachzuchten

In den ersten 1-2 Jahren können die kleinen Nachzuchten noch im Terrarium gehalten werden, welches mit Schildkrötenerde ausgestattet ist. Der Boden sollte nie staubtrocken sein und daher regelmäßig leicht angefeuchtet werden.

Es gibt vier Unterarten

  • Agrionemys horsfieldii baluchiorum (Baluchische Vierzehenschildkröte): Vorkommen in Baluchistan
  • Testudo horsfieldii horsfieldii (Afghanische Vierzehenschildkröte): Armenien, Azerbaijan, Kyrgyzstan, Tajikistan, Iran, Afghanistan, Pakistan bis ins westliche Xingiang, China
  • Testudo horsfieldii kazachstanica (Kasachische Vierzehenschildkröte): Kasachstan, Uzbekistan und Turkmenistan
  • Testudo horsfieldii rustamovi (Turkmenische Vierzehenschildkröte): Kopet-Dag im Südwesten Turkmenistans